Warum sollte ich eine Behelfsmaske tragen?

Jetzt machen wir mit Wiedereröffnung von Geschäften und Schulen einen ersten Schritt in die Normalität und dann sollen wir Masken tragen? Was bringen die überhaupt – ich bin doch kein Risikopatient? Es sind doch nur Behelfsmasken und keine wirklichen Schutzmasken.

Wir müssen uns alle mit dem Tragen einer Behelfsmaske arrangieren, der eine stellt sich schnell darauf ein – beim nächsten ist der Widerstand größer. Wir können jedoch versuchen zu verstehen, welche Beweggründe zur Empfehlung zum Tragen von Masken in öffentlichen Verkehrsmitteln und Einkaufsläden geführt haben.

Die Phasen der Epidemiebekämpfung

Zur Vorbereitung auf das mögliche Risiko einer Pandemie (bspw. mit Grippeviren) hat die WHO Richtlinien zur Bewältigung erarbeitet. In viele Länder werden darauf aufbauend nationale Influenza-Pandemiepläne ausgearbeitet – so auch in Deutschland. Die Bekämpfung von Influenza-Pandemien wird bei uns in 2 Phasen gegliedert:

In der ersten Phase wird versucht die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Infizierte Personen werden gezielt Isoliert und Kontaktpersonen werden ausfindig gemacht, getestet und bei Bedarf ebenfalls isoliert. Damit soll die unkontrollierbare Ausbreitung verhindert werden.

Die zweite Phase der Folgenminderung tritt ein, wenn die erste Phase nicht erfolgreich war. Das ist die Phase in der wir uns derzeit befinden. Weil ein Nachverfolgen der Ansteckungskette nicht mehr möglich ist, hat die Bundesregierung Beschränkungen des öffentlichen Lebens beschlossen: Verbot von Großveranstaltungen, Schließungen von KiTa, Schulen und Geschäften, eine allgemeine Kontaktbeschränkung und damit Reiseverbot.

Ziel ist es, die Ausbreitung des Virus SARS-COV-2 zu verlangsamen. Je langsamer die Epidemie verläuft, desto weniger Menschen sind gleichzeitig infiziert und desto weniger Menschen brauchen gleichzeitig eine medizinische Behandlung. Das ist wichtig, um das Gesundheitssystem vor einer Überlastung zu bewahren.

Ziel der zweiten Phase ist es, die Ansteckungskette mit Covid-19 wieder nachverfolgbar zu machen – also zurück zu Phase 1 zu kommen. 

Eine Kennzahl ist hier die effektive Reproduktionszahl. Sie gibt an, wie viele weitere Menschen durch einen Erkrankten angesteckt werden.

Maske als Kompensation für Lockerungen

Die bisherigen Maßnahmen zur Eindämmung der Covid-19 Erkrankungen haben Wirkung gezeigt und die Reproduktionszahl unter 1 gedrückt. Leider kann nicht gesagt werden, welche der Maßnahmen dafür entscheidend gewesen sind – wahrscheinlich hat jede einen Anteil getragen. 

Sollten wir die Kontaktbeschränkungen nun teilweise wieder aufheben, könnte die Reproduktionszahl jedoch wieder steigen. Für den sozialen Frieden und für die Wirtschaft ist es jedoch wichtig den Lockdown nach und nach wieder aufzuheben. Gleichzeitig wollen wir auch wieder zurück zur Phase 1, in der gezielt Infizierte ermittelt werden können. 

Diese Vorhaben widersprechen sich. Daher haben sich mittlerweile alle Bundesländer dazu entschlossen eine Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln und Geschäften einzuführen. Die Maske soll die Lockerungen kompensieren und einer möglichen Übertragung entgegenwirken. Die Behelfsmaske, wie sie für den Bürger empfohlen wird, verhindert die Ansteckung über Tröpfcheninfektion für andere. Damit können wir uns gegenseitig schützen. 

Maske für den Schutz deines Gegenübers

Diese Behelfsmaske ist keine medizinische Schutzmaske, die vor der eigenen Ansteckung mit Covid-19 schützt. Sie kann jedoch das Risiko von Infektionen reduzieren. Die meisten Infektionen verlaufen ohne oder nur mit sehr milden Symptomen. Die tatsächliche Anzahl der bisher Infizierten ist weitestgehend unbekannt und kann maximal geschätzt werden. Daher ist es wichtig, dass gerade “gesunde” Menschen eine Maske tragen. 

Wir können uns nicht alle testen lassen, dazu reichen die Kapazitäten nicht. Wenn wir aber alle so handeln, als wären wir ansteckend und uns streng an Hygienemaßnahmen halten, dann können wir Covid-19 – trotz schrittweiser Aufhebung des Lockdown – erfolgreich bekämpfen.

Es ist also eine Frage der Solidarität mit gefährdeten Personen und mit Menschen, die in der Pflege, in Arzt-Praxen oder im Krankenhaus tätig sind. 

Quellen:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.